Exklusiv
![]() |
| Hand in Hand: Beim Reifenwechsel bilden die sonst separat arbeitenden Mechaniker von Button und Hamilton ein Team |
|
Klinisch weiße, fast sterile Wände – nach Autowerkstatt sieht hier gar nichts aus. Wir befinden uns mitten auf dem Hockenheimring in der McLaren-Box. Nach einem Gang biegen wir ab und stehen vor einer verglasten Kapsel mit drei Sitzen, Monitoren, Headsets: ein Logenplatz für VIP-Gäste! Wir dürfen auf einem der Drehhocker exklusiv Platz nehmen, verfolgen Boxenfunk und die Rundenzeiten, beobachten durch die Scheibe die Mechaniker in der Box. Analyse auf der Insel Beim heutigen Freien Training regnet es in Strömen, die Renner bleiben erst mal in der porentief reinen Garage. Links Jenson Buttons Auto, rechts das von Lewis Hamilton. Sechs Mechaniker operieren an jedem Fahrzeug, der Krach der Motoren ist infernalisch. Überraschend: Im Zentrum der Box thront ein länglicher Tresen, der die Garage quasi in zwei Teile zerlegt. Vom Treiben um sie herum unbeeindruckt, starren vier Renn und Performance-Ingenieure konzentriert auf die Monitore auf beiden Seiten des Pults. „Jedes Paar arbeitet separat auf seiner Seite der Garage“, erklärt McLaren-Mitarbeiter James Bower. Am Kopf des Pults sorgt Hauptrenningenieur Phil Prew für den Datenaustausch zwischen beiden Crews. Und er hält den Kontakt zum Mc-Laren-Hauptquartier im englischen Woking. Warum das über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, erläutert Bower, als die beiden Wagen doch noch auf die regennasse Piste rollen: „Da die Zahl der Testfahrten von der FIA limitiert wurde, prüfen wir im Freitagstraining neue Komponenten am Auto.“ Die Daten, die die 120 Sensoren am Auto sammeln, landen über eine direkte Netzverbindung im McLaren Technology Centre in England, wo eine 13-köpfige Mission Control sie auswertet, die Strategie für das Rennen am Sonntag entwirft. Deshalb setzt sich in Woking gleich nach Trainingsende in Hockenheim Testfahrer Oliver Turkey hinters Steuer: Im Simulator checkt er die Fahrzeugeinstellungen. Das Team ist der Star Die Auslagerung in die englische Zentrale macht Sinn: Weil der Weltverband FIA die Kosten eindämmen will, bekommt jeder Rennstall nur 47 Arbeitspässe für sein „Raceteam“. Nicht von dieser Regel betroffen sind Management, Marketing und Logistik, sodass für McLaren bei Europarennen insgesamt bis zu 90 Mitarbeiter vor Ort tätig sind, hinzu kommen die 13 Jungs in Woking. Nur im perfekten Zusammenspiel der Kräfte aller rund 100 Beteiligten hat McLaren eine Chance auf den Sieg. „Deshalb wird jeder hier als Teammitglied gesehen“, stellt Bowers Kollege Mark Norris klar. Das gilt auch für die 15 Küchen- und Servicekräfte, die auf drei Etagen des Motorhomes im Einsatz sind. Ganz oben residiert McLarens Hauptsponsor Vodafone – hier dreht RTL gerade für den „Spendenmarathon“ mit Jenson Button. Der Gentleman Driver gibt sich wie immer locker und bescheiden. Er weiß, dass er ein starkes Team im Rücken hat... Text: Thomas Hillmann |








